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20 Jahre Bonsaigarten Ferch
Budô & Bonsai
Ferch (19.-22.04.2019)

Möchte man japanische Kampfkunst erleben, müssen wir nicht ins ferne Japan reisen, denn zu finden ist sie bereits in zahlreichen örtlichen Sportvereinen. Auch die so beliebte Gartenkunst Japans ist bereits seit vielen Jahren bei uns angekommen. 1996 begannen die ersten Arbeiten für einen japanischen Bonsaigarten in der Gemeinde Schwielowsee.

Kurze 30 Autominuten von Potsdam entfernt, im Ortsteil Ferch, liegt der Japanische Bonsaigarten, gilt seither als Zentrum japanischer Kunst und Kultur im Land Brandenburg und ist auch im Ausland gut bekannt.

Die jährliche Saisoneröffnung zur Kirschblüte zieht immer wieder viele Besucher von Nah und Fern an. 2019 gab es zum 20jährigen Bestehen und der Gartenerweiterung ein Japan-Festival mit Ehrengästen. Zusammen mit dem japanischen Botschafter, der Bürgermeisterin der Gemeinde Schwielowsee und dem Bürgermeister der Blütenstadt Werder wurde die Saison 2019 eröffnet.

Der Bonsaigarten Ferch bot für die Besucher vom 19. bis 22. April ein Non-Stop-Programm japanischer Kunst und Kultur. Hochkarätige Künstler aus Japan und Deutschland wurden eingeladen. Das Programm hielt für die Zuschauer abwechslungsreiche Einblicke in das traditionelle und alte Japan bereit. So gab es Vorführungen und Ausstellungen verschiedenster Art.

Nicht nur Budô (Kampfkünste), sumi-e (Tuschmalerei) und shodô (Kalligraphie) waren zu sehen. Ebenso gab es sadô (Teezeremonie), nohon buyo (Tanz), shamisen (Lauteninstrument), Koto (Zitherinstrument), Shakuhachi (Bambuslangflöte), hanashika (Märchenerzählungen) und vieles mehr zu erleben. Besucher wurden zusätzlich mit japanischen Köstlichkeiten wie Okonomiyaki, Tee und Süßigkeiten versorgt.

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Inmitten der japanischen Gartenkunst, zwischen Kirschblüten, Kiefern, Zen-Garten und Koi-Teich, boten Iaidôka und Naginataka aus Potsdam nicht nur Einblicke in ihre Kampfkunst sondern auch in das japanische Budô und dessen Historie.

Den Besucher des Festes wurden die klassischen Waffen aus der Samurai-Ära nahe gebracht. Die Lehrer erläuterten nicht nur Geschichte, Herstellung und Bauweise der Waffen sondern erklärten auch deren Handhabung in einem ernsten Kampf.

Die Iaidoka zeigten wie das Katana, das „Samuraischwert“, bei Bedrohungen eingesetzt werden kann. Verschiedenste Angriffe von vorne, den Seiten und hinten wurden mit direkten Schnitten und Folgeschnitten abgewehrt. Die Zuschauer sahen auch Verteidigungen gegen mehrere Angreifer. Partnerdemonstrationen veranschaulichten schließlich die Genauigkeit mit welcher im Iaidô agiert wird.

Das Publikum, das sehr nah am Geschehen saß, stellte gezielte Fragen und bekam die Antworten direkt von den Lehrern. Diese gaben darüber hinaus tiefere Einblicke in den Trainingsalltag sowie die Kampfkunst und deren Organisation in Deutschland.

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Die Naginatagruppe informierte zusätzlich über die Mitte 2019 stattfindende Weltmeisterschaft ihrer Kampfkunst, die von den deutschen Naginataka organisiert wird. Den diese siebente Naginataweltmeisterschaft wird im Sommer diesen Jahres in Deutschland stattfinden.
Die Gruppe lud auch zu einem Besuch ins Training nach  Potsdam ein.

Zuvor zeigte sie den Umgang mit ihrer Waffe. Die lange Naginata, Namensgeber dieser Kampfkunst, erfordert ebenso ausdauerndes und intensives Training wie mit dem Katana. Trainingsübungen wurden veranschaulicht und jeweils erläutert. Partnerübungen zeigten dann, dass im Trainingsalltag Etikette ebenso wichtig ist wie das gemeinsame Lernen.

In den Kata wurde sichtbar weshalb Kihon, das Üben der Grundtechniken, so wichtig ist. Der genaue Zeitpunkt eines Treffers in Koordination mit der Körper- und Waffenbewegung sind Ergebnis von intensiven Training und der Geisteshaltung des Trainierenden.
Dies alles wird in den Grundtechniken fokussiert geübt und findet seine Umsetzung in den Kata. Diese dienen zum Studium vielseitiger Kampfmethoden und -situationen, welche die Gruppen den Zuschauern erläuterte und im Detail und in Durchführung zeigte.

Nachdem die Bôgu (Rüstung) anschaulich erklärt wurde, konnten die Zuschauer die Vielfältigkeit der Naginata in einigen Rüstungskämpfen erkennen. Nicht nur beide Enden dieser Waffen wurden genutzt sondern auch ihre zweiseitige Handhabung war gut auszumachen. Die Kämpfer standen mal auf der linken und mal auf der rechten Seite der Naginata. Überdies wechselten sie während eines Schlages die Seite an der Waffe.

Trotz des sehr kleinen Vorführplatzes konnten spannende Kämpfe gezeigt werden und so fassten große und kleine Zuschauer Mut, als die Naginataka die Gelegenheit zum Ausprobieren boten. Unter Anleitung konnten Schläge zum Kopf eines Rüstungsträgers versucht werden. Nach einigen Versuchen waren viele Treffer zu sehen.

Während der Vorführung beantwortete die Naginatagruppe Fragen der Zuschauer, doch gerade im nachdem die eifrigen Veranstaltungsgäste sich selbst an der Waffe ausproieren konnten, kamen zahlreiche Fragen zu Details der Kampfkunst und der Waffenhandhabung. In längeren Gesprächen mit den Interessierten gaben die Kämpfer tiefere Einblicke in ihren Trainingsaltag und in die Organisation des Naginata in Deutschland.

Die Gäste, der Saisoneröffnung Bonsaigartens, zeigten sich nicht nur von dem vielfältigen Programm japanischer Kultur begeistert, sie lobten immer wieder die abwechslungsreiche Gartengestaltung in deren Ambiente das Gelungene Event stattfand.

Familie Gragert, welche den gesamten Japanischen Bonsaigarten in Privatinitiative realisiert, steckt nicht nur immer wieder viel Arbeit, Schweiß und Energie in dieses Kleinod japanischer Gartenkunst, sondern auch viel Liebe und Familiensinn.
Die Meinungen und der Dank der Besucher, die Teils von weit anreisten, spiegeln dies wieder:


„Hier spüre ich die Hingabe an eine Idee mit viel Kraft“
Heide Karsotzky, Thüringen

„Ich war schon oft hier und immer ist es so schön als wenn ich das erste Mal hier bin“
Iris Riker, Berlin

„Für uns ist es das private was wir am Garten mögen. Es ist nicht so kommerziell.
Hier ist alles mit Gefühl und Liebe gemacht. […] So viel Aufopferung und Sorgfalt ist bemerkenswert.“

Familie Pohlmeyer, Berlin


Text: Stefan Pawlitke (23.04.2019)

Weitere Impressionen der Veranstaltung