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Naginata – Lehrgang in Potsdam
Gemischter geht nicht
Potsdam (Oktober 2019)

 

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Im Oktober 2019 lud die Erste Naginatagruppe Potsdam zu einem gemeinsamen Training ein. Die Gruppe, die Teil des Shichifukujin Dôjô Potsdam ist, erwartete in der brandenburgischen Landeshauptstadt verschiedenste Teilnehmer. So kamen Trainingsgäste aus anderen Teilen Deutschlands. Ja sogar aus Ungarn reisten Gäste nach Potsdam.

Das Teilnehmerfeld gestaltete sich dann sehr gemischt. Es bestand aus verschiedenen Nationalitäten, Altersgruppen, Leistungsniveaus und Budôdisziplinen, denn auch Kendôtrainierende und Iaidotrainierende waren unter den Teilnehmern. So übten Jung und Alt; Anfänger und Erfahrene; Naginataka und Nicht-Naginataka miteinander.

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„Ziel des Lehrgangs ist es für die interessierten Teilnehmer Einblicke in die vielfältige Naginatakampfkunst zu geben und für die Naginatatrainierenden eine weitere Möglichkeit zu bieten miteinander ihr Können zu verbessern und zu üben“, erzählte Stefan Pawlitke. Als Lehrer der Potsdamer Trainierenden und Organisator der Veranstaltung leitete er auch den zweitägigen Lehrgang.

Gleich zu Beginn wischten alle gemeinsam die Trainingshalle. Wie es auch in den japanischen Budôschulen gemacht wird, so hatte jeder einen Lappen in der Hand um dann als Gruppe über den Boden zu flitzen. Die gesamte Halle war nach acht Minuten sauber gewischt. „Dies dient nicht ausschließlich der Reinigung des Bodens, sondern auch der Gruppenbildung“, erklärte Stefan.

Später führte er in die Etikette ein und übte mit allen das korrekte Verneigen, Hinsetzen , Aufstehen und seiza, den typischen Kniesitz in den Kampfkünsten Japans.

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Nach ausgiebiger Gymnastik und gezielten Mobilisationtechniken begann der Unterricht mit Grundübungen. Stellungen, Schritte und Schwünge beherrschten die Geübten bereits. Die Neulinge konnten so von Ihnen abschauen und bereits kleine Fortschritte machen.

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Dass Fortschritt eine Frage des Willens sein kann, zeigte die jüngste Teilnehmerin. Mit neun Jahren übte Lieke aus Hamburg konzentriert die Grundtechniken und erzielte nach kurzer Zeit erste Erfolge. In den Partnerübungen konnte sie dann ihre ersten Bewegungsabläufe mit der Trainingswaffe umsetzen.

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Immer wieder wurden die Zusammenhänge zwischen den technischen Details und der praktischen Anwendung erläutert. So konnte verstanden werden, weshalb bei den Grundübungen großes Augenmerk auf korrekte Ausführung gelegt wird; warum die Waffen in einem korrekten Winkel geführt werden und weshalb die Füße und Schultern auf richtige Weise bewegt werden mussten. Stefan informierte mit Fachdetails über den Ursprung der Techniken und verdeutlichte deren geschichtlichen Hintergründe.

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Die Teilnehmer übten später verschiedenartige Partnerübungen. Hierbei konnten die Anfänger wieder von der jahrelangen Erfahrung der Naginatatrainierenden profitieren. Es galt einen guten Abstand zum Partner einzuhalten und Schlagdistanzen wahrzunehmen. Ebenso wurden Timing und Fokus wichtig. Waren bei den Einzelübungen noch die motorischen Aspekte im Vordergrund, so kam es bei den Partnerübungen zusätzlich auf das Interagieren mit seinem Gegenüber in den vielfältigen Situationen an. „Naginata kann man nicht allein lernen. Wir brauchen uns gegenseitig um zu lernen. Allein lernen ist kein lernen, sondern vergebliche Mühe“, stellte Stefan klar.

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Wer allerdings glaubte das Naginatatraining sei eintönig, der wurde bei einer spezielleren Übung vom Gegenteil überzeugt. Passend zum Herbst balancierten die Teilnehmer Äpfel auf ihren Köpfen.

Was zuerst wie ein Spiel anmutet und die Motivation auffrischte, hatte einen relevanten Hintergrund für die Ausführung der Grundtechniken.  

Nach einigen herum kullernden Äpfeln und viel Lachen war die Konzentration der Teilnehmer gestiegen und ihre Technik hatte eine weitere Hürde genommen. „Das ist eine sehr interessante und abwechslungsreiche Übung. Sie ist sehr hilfreich für die Körperwahrnehmung und hebt die Stimmung der Gruppe“, berichtete Inga, die schon längere Zeit Naginata, zuerst in Sankt Petersburg und nun in Potsdam, trainiert.

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In den Trinkpausen und den großen Mittagspausen nutzen die Teilnehmer die Zeit auch für Gespräche und Notizen um das Geübte mit in die heimischen Trainingsstätten zu nehmen. Für viele weitere Informationen sorgten die ausgehängten Tafeln. Diese informierten über Etikette im Naginatasport sowie die Ausrüstung im Training und den Wettkämpfen. Weitere Tafeln gaben Auskunft über die Organisationsstruktur der Kampfkunst in Deutschland, Europa und der Welt. Auch über sechs grundlegenden Übungsformen im Naginata; über die Waffe; die Bewegungsabläufe und Vokabeln konnte viel gelesen werden.

Das Interesse der Teilnehmer wurde erneut gesteigert, als das Rüstungstraining begann. Zunächst erklärte Stefan das richtige Vorbereiten der Rüstung. Als er zeigte wie die Rüstung sicher und richtig angelegt wird, stellten die Teilnehmer viele Fragen und bekamen neben den Antworten noch hilfreiche Tipps um die Rüstung, „bôgu“ genannt, schnell und korrekt anzulegen. Anschließend setzten alle die gewonnen Hinweise um, als sie ihre eigenen Rüstungen anzogen. Wie im Bûdo üblich halfen die Geübten den wenig Erfahrenen dabei.

Nachdem die Sicherheitsvorgaben des Rüstungstrainings und die Details der Rüstungsetikette erklärt waren, gewannen die anschließenden Übungen an Fahrt. Es wurde lauter in der Trainingshalle, denn nun schlugen die Teilnehmer bei den Partnerübungen auf die Rüstungen. Sorgfältig erklärte Stefan die Techniken und bat alle Teilnehmer aufeinander achtzugeben. „Sicherheit geht immer vor. Besser zunächst langsam und sicher als schnell und verletzend“, mahnte Stefan. Später legten die Rüstungstrainierenden den „men“ an. So wird der Kopfschutz der Rüstung genannt.

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Nun erklärte Stefan verschiedene Partnerübungen und verdeutlichte Taktiken von Angriff und Konterangriff. Auch solche Taktiken mit denen der Konterangriff des Gegners umgehend wiederum gekontert wird, um seinen ursprünglichen Angriff durchzusetzen und ins Ziel zubringen. So entstanden schnell Übungen, die in ihrem Ablauf Angriff, Konterangriff, Konter-Konterangriff … enthielten. Dann erklärte er Details, die nicht auf Anhieb zu erkennen waren, aber entscheidend sind für das Gelingen einer Technik. „Denkt daran, dass ihr mit einem dünnen Holzstab und nicht mit einer Eisenstange kämpft! Nicht Gewalt, sondern Anpassungsfähigkeit führt zum Erfolg!“, mahnte Stefan die Trainierenden weiter.

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Der Lehrgang erfuhr eine erneute Steigerung, als die Rüstungsträger in einem freien Übungskampf gegeneinander kämpfen durften. In diesem versuchten die Kämpfer zuvor geübte Techniken aus dem Training im Übungskampf umzusetzen. Da dies kein Wettkampf im Turniersinn war, ermunterte Stefan die Teilnehmer sich gegenseitig eine Chance zu geben und dem jeweiligen Niveau des Kampfpartners anzupassen. Denn jeder sollte durch diese Übungsform Gelegenheit haben zu lernen und sich zu entwickeln. Die Teilnehmer bewiesen hier ihren Gemeinschaftssinn und nahmen gegenseitig Rücksicht.

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Alle zeigten sich von ihrer mutigen Seite, waren willens und teilweise erfolgreich. Die Geübten zeigten gut ausgeführte Schlagkombinationen, während die weniger Geübten viel Kampfgeist zeigten. Die Atmosphäre in der Trainingshalle glich nun beinahe einem Turnier.

Manche Duelle wurden von den Teilnehmern gespannt beobachtet. Bei den bereits geübten Naginatakämpfern zeigte sich eine ausgeklügelte Vorgehensweise. So wurden Finten genutzt um den Gegner zu einem Vorstoß zu verleiten um diesen dann zum eigenen Vorteil nutzen zu können. Zur Freude aller waren in diesen Momenten die zuvor geübten Konter-Kontertechniken zu sehen.

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BudoReport hat noch einmal nachgefragt:

„Wurde das gesteckte Ziel erreicht?“

„Das Ziel wurde mehr als erreicht“, resümiert Stefan. „Abschließend kann ich sagen, dass wir voneinander gelernt und miteinander geübt haben. Das technische Niveau der bereits trainierenden Naginatasportler ist merklich gestiegen, die Anfänger konnten gute Einblicke in die Kampfkunst erhalten und auch wenige einfache Techniken gut ausführen. Zudem haben sich neue Freundschaften gebildet und gefestigt – ein Wesenszug solcher Lehrgänge.“, so Stefan weiter, lacht und hebt den Daumen.

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Am Ende der zweitägigen Veranstaltung waren die Teilnehmer gut ausgepowert aber glücklich und zufrieden über ihren Trainingseinsatz und ihre Teilnahme an diesem Lehrgang. BudoReport fragte einige von ihnen nach Eindrücken und Meinungen:

„Der Wochenendlehrgang war sehr gut geplant und geführt.
Durch zahlreiche Gäste anderer Dojos wurden die Übungen bereichert. Vielen Dank, Domo.“

Torsten Franz

„Ich fand es sehr inspirierend, dass der Leiter immer wieder aus dem Nähkästchen geplaudert hat.
Das motiviert mich für das Training zu Hause.“

Anonym

„Der Lehrer musste Anfänger mit Menschen unterschiedlicher Niveaus ausbalancieren.
Dennoch hat er es geschafft, es sehr effizient zu machen. Er war hilfsbereit und seine Erklärungen waren sehr klug.
Ich war sehr zufrieden mit dem ganzen Seminar. Vielen Dank für die Erfahrung.“

B. Ádám aus Ungarn

„Ich habe wieder viel gelernt. GENKIDO hat auch mit der Unterkunft geholfen.
Es ist absolut selten, dass ein Lehrgang kostenlos ist und man auch noch kostenfrei im Dôjô schlafen darf.
Danke Stefan, danke GENKIDO! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.“

Ákos Horva´th aus Ungarn

„Den Inhalt des Lehrgangs kann ich gut für die Praxis verwenden.
Die Tipps haben mir sehr geholfen, meine Technik zu verbessern.“

Marlies

„Sehr erfahrener und hilfreicher Lehrer, der viel Wert auf sehr genaue und verständliche Erklärung legt. Kann auch gute Laune schaffen aber auch zu Disziplin motivieren. Auch die anderen Mitglieder sind hilfreich,
sehr kooperierend und gut im gemeinsamen Training.“

Ákos Horva´th aus Ungarn

„Der Lehrgangsleiter ermunterte uns zu gegenseitiger Hilfestellung und hat komplizierte Situationen mit seinem Fachwissen und vielen Tricks aufgelockert zum besseren Verständnis der Techniken. Das ist großartig.“
Peter

Text: Kitsune (27.10.2019)